Autor: woereal

„Schüler sollen kritische Gestalter, nicht bloße Consumer sein“ – ein Gespräch mit Jürgen Drewes

„Schüler sollen kritische Gestalter, nicht bloße Consumer sein“ – ein Gespräch mit Jürgen Drewes

Das Deutsche Lehrerforum ist schon wieder Geschichte – unser Bericht darüber ist auf #BayernEdu ja bereits erschienen. Neben dem tollen Programm konnte ich auch die Gelegenheit nutzen, um unsere beliebte Interviewreihe fortzusetzen. Mit besonderer Freude konnte ich Jürgen Drewes für ein kurzes Gespräch gewinnen. Auf seinem Blog schildert er, wie ich finde sehr anschaulich und praxisnah, seine Erfahrungen beim Arbeiten mit einer Tabletklasse. 

 

#BayernEdu: Wer ist Jürgen Drewes? Was macht er und vor allem wofür steht er pädagogisch?

JD: Ich bin seit 1990 Lehrer und unterrichte die Fächer Deutsch, Katholische Religion und Sport an der Bischöflichen Clara-Fey-Schule, einer Realschule und einem Gymnasium. Ich bin Vater von zwei Kindern, 10 und 16 Jahre alt. 2013/14 habe ich mich zum Medienpädagogen weitergebildet, weil der Anachronismus zwischen dem althergebrachten Schulsystem und der „draußen“ vorherrschenden Realität auf mich so deutlich wirkte, dass ich mögliche Schnittmengen erkunden wollte. Eins kam zum anderen, vor allem eine technikaffine Schulleitung, und so starteten wir 2016 das Pilotprojekt Tabletklasse, das ich seitdem leite. Alle Schüler*innen arbeiten täglich in (fast) allen Fächern mit 2-in-1-Geräten.

#BayernEdu: Deinem Blog kann man entnehmen, dass du vor allem in Tabletklassen unterrichtest und dort sehr viel pädagogisches Herzblut investierst. Warum habt ihr euch an der Schule dafür entschieden? Schildere unseren Lesern doch bitte kurz deine Erfahrungen!

JD: Die Digitalisierung bestimmt mehr und mehr unser Leben, Schüler*innen nutzen Tutorials, um sich Informationen zu beschaffen. Lehren und Lernen haben sich stark verändert: Während ich „früher“ die Klasse betrat, um mit allen am selben Text dieselben Fragestellungen in derselben Zeit zu besprechen, stelle ich mich heute auf die jeweiligen Arbeitsbereiche der Schüler*innen jeweils neu ein. Eigenständiges, selbst bestimmtes Lernen hat nun einen viel höheren Stellenwert. Unsere Arbeit auf einem Wiki ermöglicht vielfältige Kollaborationen. Peer-Feedback aktiviert zahlreiche Kompetenzen, die Schüler*innen sind hoch motiviert.

#BayernEdu: Habt ihr an eurer Schule eigentlich ein Medienkonzept? Welche Punkte sind dir davon persönlich besonders wichtig?

JD: Unser Medienkonzept wird durch die neuen Erfahrungen in den Tabletklassen – seit Beginn des Schuljahrs haben wir eine zweite gegründet – stets aktualisiert. Besonders wichtig ist für mich die Förderung des kritischen Bewusstseins der Schüler*innen, damit sie nicht bloß willige Consumer, sondern kritische Gestalter des Netzes sein können. Aus diesem Grunde haben wir u. a. Medienscouts ausgebildet, die Schüler*innen (und Eltern) über Themen rund um die Sicherheit im Netz informieren.

#BayernEdu: Du unterrichtest ja auch Religion. Ketzerisch gefragt: Braucht man da wirklich Tablets?

JD: Die face-to-face-Begegnung im Religionsunterricht ist durch nichts zu ersetzen, sie ist die Grundlage vertrauensvollen Lernens. Digitale Medien können darüber hinaus einen zeitgemäßen RU bereichern, z. B. durch den Einsatz digitaler Programme, wie der Erstellung von Wortwolken, der Aufnahme von Standbildern, Videos, Audios. Auch die Kollaboration, wie sie nur mit digitalen Medien möglich ist, fördert die Ziele eines zeitgemäßen RU.

#BayernEdu: Siehst du Risiken beim digitalen Arbeiten, für die du bisher noch keinen Lösungsansatz gefunden hast?

JD: Der (weltweite) Bildungsmarkt bietet ein Riesengeschäft. Der Apple-Konzern hat das als erster verstanden, Google folgte, Microsoft etwas später ebenfalls. Diese ökonomischen Interessen drohen die wichtigeren pädagogischen zu verdrängen. Die Freiheit und Verantwortung der Lehrenden, z. B. ohne Vorauswahl und Bedingungen Lernmaterial auswählen zu können, muss gewahrt bleiben.

#BayernEdu: Auch in Sachen Lehrerfortbildung bist du ja aktiv. Welche Aufgaben und Themen interessieren dich in diesem Bereich besonders?

JD: Ich arbeite seit 25 Jahren als Regionalbeauftragter für das Katechetische Institut in Aachen und bin dort regional verantwortlich für Lehrerfortbildungen. Ich biete selbst Fortbildungen zum Thema „Digitale Medien im Religionsunterricht“ an und möchte diesen Bereich zukünftig angemessen fördern.

#BayernEdu: Wir befinden uns ja gerade auf dem Deutschen Lehrerforum. Dein bisheriges Fazit zur Veranstaltung? Braucht die “digitale Bildung” bundesweite Treffen wie diese?

JD: Diese Treffen sind besonders wichtig zur persönlichen Vernetzung: In vielen Schulen sind wenige Pioniere dabei, Erfahrungen mit dem Einsatz digitaler Medien zu sammeln. Um diese Vereinzelung zu durchbrechen, kann man auf solchen Treffen viele kompetente und inspirierende Menschen kennenlernen.

#BayernEdu: Kannst du unseren Lesern Tools oder Apps nennen, mit denen du besonders gerne und effektiv arbeitest?

JD: Da wir uns bewusst für die Windows-Welt entschieden haben, arbeiten wir (in meinen Fächern) mit allem, was Microsoft zu bieten hat, auch den kostenlosen abgespeckten Online-Versionen. Die meisten meiner Schüler*innen arbeiten jedoch mit OpenOffice-Programmen. Apps, die gerne genutzt werden, sind z. B. Padlet und PicCollage.

#BayernEdu: Jedes Interview bei uns endet mit 5 Halbsätzen, die du bitte vervollständigst!

  • Eine gute Unterrichtsstunde ist für mich dann erreicht, wenn die Schüler*innen (einzeln oder miteinander) kreativ arbeiten und kritisches Bewusstsein im Umgang mit Medien entwickeln.
  • Ich blogge gerne, weil der Austausch mit Interessierten bereichernd ist.
  • Digitale Prüfungsformate sind bisher absolute Mangelware und müssen schleunigst her, um die Arbeit mit digitalen Medien sinnvoll und sachgerecht zu ergänzen.
  • Gerade das Fach Deutsch kann viel im Rahmen der Digitalen Bildung leisten, da das Verstehen und Formulieren von Texten eine fundamentale Grundlage persönlicher Bildung und des Netzes sind.
  • #BayernEdu wünsche ich, dass ihr euch weiterhin so rege, kompetent und inspirierend austauscht und damit weitere Interessierte ansteckt!

#BayernEdu: Danke für das Gespräch! Wir wünschen dir für deine Arbeit weiterhin viel Freude und freuen uns auf weiteren Austausch mit dir.

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„Auf die Vernetzung kommt es an“ – Starkes Bekenntnis zur Digitalen Bildung beim Deutschen Lehrerforum

„Auf die Vernetzung kommt es an“ – Starkes Bekenntnis zur Digitalen Bildung beim Deutschen Lehrerforum

Unter dem Rahmenthema „Schule im digitalen Zeitalter“ trafen sich vom 14.09. – 16.09. über 80 Lehrkräfte, Referendare und andere Bildungsplayer in Königswinter um bundeslandübergreifend über den aktuellen Stand der digitalen Bildung auszutauschen. Erfreulicherweise durften auch drei Teilnehmer unserer #BayernEdu-Community die hochkarätige Veranstaltung mitgestalten. In einem praktisch orientierten Workshop unter dem Titel „Breakout – Der Escape-Room für den Klassenraum“ konnte unser Potsdamer Mitstreiter Stefan Schwarz mit seiner Kollegin Juliane Eisinger viele Teilnehmer aktivieren und für die handlungsorientierte Methode begeistern. Georg Rösch bot auf seiner ersten Fortbildung als fertige Lehrkraft im Rahmen des Barcamps gleich einen eigenen Beitrag zur interaktiven Videoproduktion mit H5P an. Über den digitalen Deutsch- und Geschichtsunterricht sowie das Referendarausbildungskonzept DiBiS referierte ich selbst  in zwei unterschiedlichen Slots. Ebenso nahmen wir beiden Franken an einer Diskussionsrunde beim Bildungsradio DLF Bildung teil. An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich für das Engagement, die konstruktiven Nachfragen und das Interesse bei allen Teilnehmern bedanken. Toll, wenn man so ein ehrliches und wertiges Feedback bekommt.

Was aber gibt es nun Neues in Sachen Digitalisierung an deutschen Schulen? Als Erstes wäre zu nennen, dass der Digitalpakt laut Herrn Dr. Luther von BMBF kommen wird, aber die „Etatreife“ noch fehlt. Somit befindet sich dieses maßgebliche Projekt wohl ungefähr in der zeitliche Mitte seiner wahrscheinlichen Realisierung seit Ideengeburt. Immerhin, ein Signal. Außerdem sind leider immer noch (nur) Basictools bei den Lehrern nachgefragt, was wohl daran liegt, dass fehlendes WLAN recht flächendeckend vorherrscht und zu wenig Lehrerfortbildung angeboten wird. Das Deutsche Lehrerforum möchte daher mit einem gemeinsamen Positionspapier an diesen wunden Punkten ansetzen. Eine begrüßenswerte Initiative, die trotz der vorherrschenden Heterogenität aller Beteiligten breiteste Zustimmung fand. Als drittes – gerade für uns Twitteratis – wichtigstes Ergebnis kann festgehalten werden, dass die Vernetzung durch derartige Präsenzveranstaltungen deutlich vorangebracht werden kann. Zahlreiche Side-Off-Gespräche bereicherten die drei Tage auf der pittoresken Hirschburg immens und werden unser Netzwerk weiter wachsen lassen. Darauf freuen wir uns am meisten. Insofern vielen Dank an die ausrichtenden Stiftungen für die Bereitstellung dieser tollen Plattform. Es ist an uns Lehrkräften, unsere digitalen Ziele zu erreichen!

Einen weiteren Rückblick zum Deutschen Lehrerforum gibt es auch bei meiner Twitter-Kollegin Nina Toller. Lesenswert!

 

Aufzeichnung Webinar „Geisteswissenschaft 4.0“ – Deutsch und Geschichte digital unterrichten

Aufzeichnung Webinar „Geisteswissenschaft 4.0“ – Deutsch und Geschichte digital unterrichten

Vom 14.09. – 16.09. findet das Deutsche Lehrerforum in Königswinter statt. In der diesjährigen Ausgabe geht es um das Mega-Bildungsthema schlechthin – „Schule im digitalen Zeitalter“ (Programm). #BayernEdu wird bei dieser Veranstaltung mit Georg Rösch und mir vertreten sein. Im Vorfeld fanden bereits als eine Art „Appetizer“ Webinare mit André Spang und Nina Toller zu den Themen „Gamification“ und „QR-Codes im Unterricht“ statt, die sehr gut angenommen wurden. Aus diesem Grund haben sich die Veranstalter dazu entschlossen, zukünftig weitere Online-Seminare anzubieten, die für alle Interessierte frei zugänglich sind. Den Auftakt zu dieser Serie durfte ich nun am 30.08. mit o. g. Thema bestreiten; aufgrund vielfachen Wunschs ist die Aufzeichnung ab sofort zum Download auf unserem Blog verfügbar.

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Teilnehmern und bei der Webinar-Organisation seitens des „Deutschen Lehrerforums“, namentlich bei Frau Ossenkopf, ganz herzlich bedanken. #BayernEdu freut sich auf den bundesweiten Austausch und wird selbstverständlich auch an dieser Stelle über das Event im Nachgang berichten.

Aufzeichnung Webinar

#ZeitgemäßeBildung im digitalen Wandel gestalten – ein Gespräch mit Dejan Mihajlović

#ZeitgemäßeBildung im digitalen Wandel gestalten – ein Gespräch mit Dejan Mihajlović

Gemeinsam mit unserem ersten Interviewgast Dejan Mihajlović möchte #BayernEdu eine neue Sparte auf unserem Blog beginnen. In unregelmäßigen Abständen lassen wir Protagonisten der #DigitalenBildung zu Wort kommen, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Es würde uns sehr freuen, wenn ihr fleißig kommentiert und Nachfragen stellt.

 

#BayernEdu: Wer ist eigentlich Dejan Mihajlović? Bitte stelle dich unseren Lesern einmal kurz vor!

DM: Ich bin Vater von vier Kindern, unterrichte an der Pestalozzi Realschule in Freiburg Chemie, Geschichte, Mathematik und Ethik (Philosophie) und arbeite für das Staatliche Schulamt Freiburg als SMV BAG-Leiter und Fortbildner und für das Regierungspräsidium als SMV-Beauftragter. Außerdem bin ich im Vorstand des Bürgervereins Oberwiehre-Waldsee, zweiter Vorsitzender des Migrantinnen- und Migrantenbeirats der Stadt Freiburg und aktiv bei D64, dem Zentrum für digitalen Fortschritt.

#BayernEdu: Warum und aus welchen Motiven wurdest du eigentlich Lehrer?

DM: Eigentlich gab es zwei Gründe. Den Anstoß gab mein damaliger Chemielehrer auf der Leistungskurs-Hütte. Er war auch mein Mentor. So nannte man damals die für einen in der Oberstufe zuständige Person, die das Pendant zum Klassenlehrer darstellte. Seiner Meinung nach hätte ich den Vorteil, die Perspektive verhaltenskreativer Schüler_innen bereits zu kennen. Die Entscheidung, Lehrer zu werden, traf ich aber wegen meiner Freunde an der benachbarten Realschule. Da waren einige dabei, die meiner Meinung nach gegen enorme Widerstände zu kämpfen hatten und kleingeredet wurden, weil sie sich entweder offen kritisch äußerten oder deren Potenzial aufgrund von „kleineren Verhaltensnormabweichungen“ nicht erkannt wurde. Ich hatte mir vorgenommen, das zu ändern und Realschullehrer zu werden, um auch für diese Jugendlichen eine Lobby im Lehrerzimmer zu schaffen bzw. mehr zu unterstützen. Das ist und war natürlich eine stark subjektive Einschätzung, aber mein ehrlicher Beweggrund.

#BayernEdu: Sehr spannend, ich denke, da finden sich einige unserer Leser darin wider. Du sprichst ja – vielleicht gerade wegen den Gründen, die du oben genannt hast – gerne von dem Begriff #zeitgemäßeBildung. Kannst du knapp schildern, was du darunter verstehst und inwieweit die Digitalisierung aus deiner Sicht dieses Postulat unterstützen?

DM: Unsere Gesellschaft entwickelt sich ständig weiter. Der digitale Wandel erhöht dabei das Tempo und löst zunehmend bestehende und bekannte Strukturen in allen Lebensbereichen auf. Mir erscheint es deshalb schlüssig, dass dabei auch unsere Vorstellung vom Lernen geprüft, neu überdacht und wenn nötig angepasst werden muss. Zeitgemäße Bildung verstehe ich somit nicht als eine Liste oder Tabelle von Inhalten, Tools oder Kompetenzen, sondern als eine Haltung und Vorgehensweise, Bestehendes in einem nie endenden Prozess aller Beteiligten an den gesellschaftlichen Entwicklungen orientierend stets kritisch zu hinterfragen und gemeinsam weiter auszuarbeiten. Es gibt also kein Endergebnis, das man abheften kann, sondern nur einen aktuellen Stand, der auf die jeweilige Beteiligten zugeschnitten ist. Idealerweise müsste das auf jeder Ebene unseres Bildungssystems möglich sein und gelingen. Kurz: Wir wissen nicht, was morgen junge Menschen erwartet und nicht wenige sind schon mit dem Heute überfordert. Sie möglichst gut darauf vorzubereiten, als Individuum und Teil der Gesellschaft mit komplexen Herausforderungen zurechtzukommen, sehe ich als Aufgabe zeitgemäßer Bildung.

#BayernEdu: Absolut interessant und aus meiner Sicht auch korrekt! In diesem Zusammenhang möchte ich das allseits bekannte 4K-Modell einmal ins Spiel bringen. Welche K’s sind aus deiner Sicht – neben den bekannten  – für unsere Schüler in Zukunft wichtig?

DM: Wenn es ein „K“ sein muss, entscheide ich mich für Kant bzw. den kategorischen Imperativ, der mir in einer zunehmend vernetzteren Welt herausfordernder, aber auch notwendiger erscheint. Die EU besteht aus 28 Mitgliedsstaaten, in denen über 500 Millionen Menschen leben. Sich daran zu orientieren, nur nach derjenigen Maxime zu handeln, durch die man zugleich wollen kann, dass sie ein allgemeines Gesetz werde, klingt nicht nur in diesem Fall für mich sinnvoll, zielführend und erstrebenswert.

#BayernEdu: Du bist ja auch in der Lehrerfortbildung tätig. Wie ist dein Eindruck? Welchen Teil der Lehrer erreicht man und wie groß ist die Bereitschaft seinen Unterricht auf neue Herausforderungen anzupassen?

DM: Welche Lehrende man erreicht bzw. deren Bereitschaft kann man nicht losgelöst vom Angebot bewerten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass inhaltlich und methodisch ansprechende Fortbildungen in Kollegien sehr wohl angenommen werden, Impulse auslösen oder sogar Prozesse in Gang setzen können, im Bereich der Schulentwicklung neue Wege zu beschreiten. Adäquate Antworten auf die aktuellen Herausforderungen durch das Digitale zu entwickeln, erfordert zuerst die Erkenntnis der Notwendigkeit und dann die dafür nötigen Ressourcen, langfristig, kontinuierlich und gemeinsam daran arbeiten zu können. Hier sehe ich momentan eine Chance in schulinternen und systemischen Fortbildungen, die sich an den Gegebenheiten und Wünschen vor Ort orientieren. Im Oktober biete ich für das Staatliche Schulamt Freiburg ein Barcamp für Schulleitungen an, um ihnen diese Idee näherzubringen. Das ist natürlich nur ein Ansatz. Die oben erwähnten nötigen Ressourcen sehe ich noch nicht gegeben.

#BayernEdu: Welche drei Projekte von dir liegen dir besonders am Herzen und könnten ggf. für unsere Leser interessant sein?

DM: Aula liegt mir sehr am Herzen, weil es in der Schule die Thematik anpackt, die man gerne und häufig fordert bzw. anpreist, aber selten umsetzt: Demokratie leben; wobei aula dabei noch das Potenzial des digitalen Wandels aufgreift. Alle Infos zum Projekt und Verlauf kann man auf diesem Blog, bei Facebook oder Twitter verfolgen. Ich bin auch gerade dabei das Resümee nach einem Jahr mit aula zu schreiben. Ein weiteres Herzensprojekt sind die Perlen von den Säuen. Im etwa monatlichen Rhythmus reden Andreas Hofmann, Anselm Maria Sellen und ich eine knappe Stunde über Themen aus dem Bildungsbereich und veröffentlichen das bei YouTube, iTunes und unserer neuen Heimatplattform dem edufunk. Das Digitale steht dabei gerne im Fokus. Da wir schon fast 100 Abonnenten bei YouTube haben und drei Likes beim letzten Video, warten wir noch auf den Anruf der Bundeskanzlerin, um auch ein Interview mit ihr zu machen. Unsere Anfrage via Twitter blieb bis heute aber leider noch unbeantwortet. Abschließen möchte ich mit dem Offenen Bildungsnetzwerk Freiburg. Die Projektidee entstand beim letzten EduCamp in Bad Wildbad. Im zweimonatigen Takt wollen Benedikt Sauerborn, Philip Stade, Olav Richter und ich in Freiburg allen Interessierten eine Möglichkeit fürs Netzwerken bieten. Viele Menschen sind im Bildungsbereich tätig und sind an berufliche oder strukturelle Vorgaben gebunden, was eine Zusammenarbeit erschweren kann. Deshalb wollen wir eine offene Plattform vor Ort schaffen, im Sinne des Webs, die einen noch besseren Austausch begünstigt und eventuelle Hindernisse hemmt oder bestenfalls verhindert. Wir werden über die Entwicklung bloggen und freuen uns über jede weitere Unterstützung.

#BayernEdu: Zur Sache mit der Bundeskanzlerin möchte ich anmerken, dass ein Interview mit euch für beiden Seiten ertragreich wäre. Ich wünsche euch dabei auf alle Fälle viel Erfolg bei diesem Projekt. Trotzdem nochmals nachgefragt: Gibt es bei aller Einschränkung trotzdem Lernszenarien oder Tooltipps, die du in deinem “digitalen” Unterricht regelmäßig nutzt?

DM: Ich denke, dass schon ausreichend Beiträge mit Tool-Empfehlungen durchs Netz schwirren. Was die Lernszenarien betrifft, trage ich gerne aktuelle Netzdebatten in die Klassen. Wenn ich z. B. mich mit Freunden und Bekannten im Web über Fake News diskutiere oder mit rechten Trollen zu kämpfen habe, suche ich nach Möglichkeiten, das auch im Unterricht zu thematisieren. Den Zugang zu Inhalten aus sozialen Netzwerken verschaffe ich mir über meine Accounts. Ich halte hier Authentizität für wichtig und lehne diesem Kontext schulisch konstruierte Inhalte und Umfelder eher ab. Dadurch nehme ich Schüler_innen und sie die Thematik ernst.

#BayernEdu: Zu guter Letzt noch 5 Halbsätze, die du gerne ergänzen darfst…

a) Mein Schultag war erfolgreich, wenn meine Schüler_innen und ich ihn nicht nur als einen Tag in der Schule erlebt haben.

b) Von der Politik wünsche ich mir, dass Schulen die Priorisierung erhalten, die stets beteuert wird. Das geht nur mit enormen Investitionen, Strukturen und Austausch, die offen, transparent, flexibel und nicht hierarchisch angelegt sind und dem primären Ziel, einer erfolgreichen Gesellschaft und nicht Parteipolitik.

c) Twitter ist für mich mein Online-Erstwohnsitz im digitalen Wandel.

d) Wenn ich an meinen Unterricht in 10 Jahren denke, dann hoffe ich auf Rahmenbedingung für (noch) offene(re)s und partizipative(re)s Lernen, Lehren und Prüfen.

e) BayernEdu wünsche ich, dass sich nicht nur viele Menschen diesem Netzwerk anschließen, sondern auch aktiv daran beteiligen.

#BayernEdu: Danke für das Interview! Wir wünsche dir für deine Arbeit weiterhin viel Freude und freuen uns auf weiteren Austausch mit dir!

„Das Leben als nervige digitale Fliege” – Do´s und Dont´s bei der Einführung von #DigitalerBildung in die Schule

„Das Leben als nervige digitale Fliege” – Do´s und Dont´s bei der Einführung von #DigitalerBildung in die Schule

#BayernEdu ist ja bekanntermaßen eine Community, an der sich alle Interessierten aus allen (Bundes-)ländern beteiligen können. Gründungsmitglied Christian Wettke (stolzer Kurpfälzer) schildert in seinem Gastbeitrag, dass man es als Verfechter von #DigitalerBildung nicht immer ganz einfach hat, aber es letztlich doch Wege gibt, wie man sein Faible in strukturierte Bahnen lenken kann. Weitere Beiträge von ihm findet man auch auf seinem eigenen Blog

Seit nun immerhin 2 vollen Schuljahren darf ich mich an einer Schule erproben, an der (bedingt durch die Teilnahme an einem Schulversuch in Baden-Württemberg zu Tablets im Unterricht an beruflichen Schulen) in einem 1:1 Setting unterrichtet wird. Kurze Information zu mir und meinem Werdegang: Ich bin Lehrer (Spanisch und Sport) und habe in der digitalen Bildung zum ersten Mal in meiner schulischen Laufbahn etwas gefunden, für das ich wirklich brenne. Nicht dass mir das Lehrerdasein davor nicht gefallen hätte, ich lebe und liebe meinen Beruf. Dennoch eröffnet sich mir durch die Hinzunahme von digitalen Medien (Tablets, Smartphones) die einmalige Möglichkeit, meine Vergangenheit an freien Schulen in mein aktuelles Schaffen einfließen zu lassen. In meinen Augen ist die digitale Bildung in unserer Zeit alternativlos, wobei ich mich gerne darüber streite, in welchem Umfang, in welchem Fach und zu welcher Zeit. Bin ich deswegen ein allwissender Technik-Freak? Nein, eher im Gegenteil…. Ich verstehe von der dahinter stehenden Technik relativ wenig und erwarte auch nicht, dass das in naher Zukunft anders wird. Was mir jedoch an Wissen fehlt, mache ich mit Enthusiasmus wett und lerne weiter. In diesen 2 Jahren wurde ich nun jedoch von vielen Erfahrungen rund um das Schulwesen und die Komplexität desgleichen geprägt, positiv wie negativ. Ein Grund dafür, meine Erfahrungen in Do´s und Dont´s bei der Einführung von digitaler Bildung oder digitalen Medien zu unterteilen und niederzuschreiben. Ich möchte zu folgenden Themen gerne darlegen, was sich in meinen Augen bewährt hat und welche Herangehensweise man besser bleiben lassen sollte:

● Eigener Unterricht

● Umgang mit Schülern

● Verhalten gegenüber Kollegen

 

1. Eigener Unterricht

a. Do´s

Sicherlich lassen sich viele Kriterien (in meinen Augen Ausgangspunkte) für guten digitalen Unterricht und mobiles Lernen aufzählen und differenzieren. Ich habe mich auf die meiner Meinung nach prägnantesten und pragmatischsten beschränkt:

1. Habe ein Konzept, das fundiert und durchdacht ist und dennoch Freiheiten in der Umsetzung bietet.

2. Nutze digitale Medien dann, wenn es einen sinnvollen didaktischen Wert gibt und nicht nur als technische Spielerei.

3. Biete ein geeignetes Setting für mobiles Lernen und suche dann nach Apps.

4. Gib das Medium in Schülerhand, lasse SuS gemeinsam arbeiten und leite sie zu kritisch-reflektiertem Denken an.

5. Vergiss nie, dass du zuerst Pädagoge bist.

Gerade der letzte Punkt erscheint mir doch als der entscheidende, denn bei aller Magie, die durch den Nutzen von digitalen Medien möglich ist, bin ich doch in erster Linie Pädagoge, Lernbegleiter, Lehrer und Lerner. Das digitale Medium wird stets eine Unterstützung (bei richtiger Verwendung eine äußerst sinnvolle) sein, nicht mehr und nicht weniger.

b. Dont´s

Die ersten eigenen Unterrichtserlebnisse oder „digitalen Gehversuche“ verliefen noch recht stockend, da ich doch sehr gutgläubig und blauäugig an die ganze Geschichte rangegangen bin. Heißt übersetzt: Ich habe das Tablet eingesetzt und auf ein „digitales Wunder“ gehofft. Mein Unterricht hat sich dadurch natürlich weder großartig verändert noch verbessert, die Schüler hatten lediglich zu meinen ganzen Arbeitsblättern a) die digitale Version davon und b) schnellere Lösungen dank Internetzugriff und Google-Übersetzer. So bin ich nach einigen Versuchen und Monaten fast wieder zum normalen und tablet-losen Unterricht zurückgekehrt. Zum Glück kamen da zwei Schlüssel-Erlebnisse (bzw. Fortbildungen) dazwischen: Die Schlüsselerlebnisse, die mich quasi in die Hände der digitalen Bildung trieben, waren in meinem Fall zwei Fortbildungen, deren Wert und Genialität ich jedoch auch erst später erkannt habe. Zum einen war das eine Fortbildung zum MIFD (Modell der individuellen Förderung mit digitalen Medien) von Jan Hambsch und Tobias Rodemerk und einer Fortbildung zu interaktiven Videos von Allan Carrington (mit leider sehr wenig Teilnehmern und konfusem Plan, aber tollen Inhalten und Ideen).

2. Umgang mit Schülern

a. Do´s

Kurz meine bisherige Erfahrung: Es wird dir von den Schülern sehr gedankt, wenn du dich um Neuerungen bemühst und auch vieles verziehen, solange das Engagement und die Zusammenarbeit stimmen. Auch die oftmals beschriebenen bzw. proklamierten Disziplinprobleme habe ich sehr, sehr selten erlebt. Das Tablet kann als Ablenkung dienen ja. Allerdings habe ich für mich den Schluss gezogen, dass ich die Schüler ganz einfach viel damit arbeiten lasse und sie auch fordere, diese Arbeiten mit dem Gerät als Hilfsmittel zu bearbeiten (und das Gerät auch wirklich als Hilfsmittel zu verstehen). Natürlich helfen hier klare Absprachen und ein angenehmes Klassenklima. Ein Tool, das mir in dem Bereich wirklich sehr geholfen hat, war das “pädagogische Online-Rollenspiel” CLASSCRAFT.

b. Dont´s

Zu Beginn des Jahres gelang es mir noch halbwegs gut, Phasen mit und ohne Tablet zu trennen und zu unterscheiden. Mit zunehmender Dauer verlor ich diese Trennung immer mehr, meine SuS waren fast ausschließlich mit ihren Geräten beschäftigt und ich fühlte mich damit auch noch im Recht. Ein geregelter Unterricht, bei dem sie was lernen konnten, war das nicht mehr, viel zu stark verlor ich mich im Digitalen und trieb als Lehrperson nur noch so dahin. Aufgrund des Verlustes der Struktur war ich auch nicht mehr in der Lage, tatsächlich als Pädagoge aufzutreten, sondern lediglich als „technischer Türöffner“ für die Kids tätig. Zum einen, weil ich zu diesem Zeitpunkt (noch) nicht die Kraft und den Mut hatte, mir im Bezug darauf einen Fehler einzugestehen, zum anderen weil es auch mir gefiel, viel mit dem Gerät in der Hand zu arbeiten und meine alten Arbeitsblätter mehr als uncool fand.

3. Verhalten gegenüber Kollegen

Ich möchte hier gerne vorweg sagen: Ich schätze meine Kollegen und habe innerhalb dieser zwei Jahre auch wieder meinen Frieden (besonders im Bereich der Einführung digitaler Bildung in unseren Schulalltag) mit ihnen machen können.

a. Do´s

Wir Lehrer mögen es ja gar nicht, bevormundet oder gar belehrt zu werden (und da schließe ich mich nicht aus, ich hasse es regelrecht), was eigentlich komisch ist, da wir doch ständig mit vermitteln und lehren beschäftigt sind. Vielleicht deswegen, wer weiß? Was sich tatsächlich bewahrheitet hat (obwohl ich es zu Beginn selbst nicht glauben konnte bzw. wahrhaben wollte), ist: Je entspannter man selbst mit dem Thema umgeht, desto leichter und einfacher finden Gespräche und Austausch statt. Danke an dieser Stelle an alle, die mir das auf Twitter auch immer wieder gebetsmühlenartig vorgepredigt haben. Ich leiste hiermit Abbitte.

b. Dont´s

Es stellte sich nach einiger Zeit auch heraus, dass nicht alle meine Kollegen meine neu gewonnene Begeisterung für digitale Bildung teilten und ich auf diesem Feld zunehmend alleine dastand. Anfangs fühlte ich mich hier noch gut, weil ich ja dachte, ihnen weit voraus zu sein und sie nicht für meine Entfaltung brauchen würde. Auch fühlte es sich gut an, trotz meinen jungen Jahren und der geringen Berufserfahrung etwas zu haben, in dem ich den anderen voraus und enteilt war. Im Laufe der Zeit nagte es doch mehr und mehr an mir, ein Einzelkämpfer zu sein und keine bzw. wenige Mitstreiter (noch dazu in meinen Fächern) zu haben, die diese neue Form des Unterrichts genauso begeistert annahmen wie ich und mit denen ich mich regelmäßig und produktiv austauschen konnte. So wurde ich immer stärker ein verbitterter Nerd, der begann alle zu verdammen, die nicht mitzogen und die diese Chance nicht wahrnahmen. Das resultierte mehr und mehr in einer Gemütseinstellung des “Jetzt erst recht”. Ich begann also geharnischte E-Mails zu schreiben, in denen ich die Kollegen auf die Wichtigkeit unseres Tuns und die Chancen der digitalen Bildung hinwies oder merkte immer wieder an, man möge doch bitte nicht nur die ausgetretenen Pfade der Fortbilungsreihen des RP oder KuMi begehen, sondern sich eventuell auch mal zu einem Barcamp anmelden. Oh Wunder, keine Begeisterung. In dieser Zeit bekam ich auch den inoffiziellen Spitznamen “nervige digitale Fliege” verpasst, den ich jedoch heute mit Stolz tragen kann.

5 Mythen beim „digitalen Unterrichten“ … und was an diesen dran ist

5 Mythen beim „digitalen Unterrichten“ … und was an diesen dran ist

Endlich – seit dieser Woche ist auch in Bayern die allgemeine Sommerferienzeit eingeläutet worden. Da nach den Ferien aber bekanntlich vor dem nächsten Unterricht ist, möchte ich gerade denjenigen Kollegen, die ab dem Schuljahr 2017/18 ins „digitale Lehren und Lernen“ einsteigen, ein paar persönliche Erfahrungen mitteilen. Ich habe zu diesem Zweck einige „Mythen“ zum Thema identifiziert, die immer wieder in der Diskussion auftauchen. Auch seitens meiner Referendare wird danach im Prinzip jedes Jahr immer wieder neu gefragt. Wichtig ist mir aber zu betonen, dass meine Erwiderungen zu diesen rein subjektiv sind. Daher würde es mich freuen, ggf. weitere Meinungen dazu, z. B. als Kommentar unter dem Post, sammeln zu können. Wer mehr über die Infrastruktur und das Konzept unserer Schule erfahren will, kann dies über den Link gerne tun.

Mythos 1: Das „Digitale Unterrichten“ kostet mehr Zeit

Da ist durchaus etwas dran, und zwar in zweierlei Hinsicht. Zunächst einmal kostet es natürlich Zeit in Bezug auf die Unterrichtsvorbereitung, wenn man eigene Materialien erstellen will. Aber es gibt mittlerweile schon ein großes Online-Angebot, das man frei nutzen kann („OER“). Unter diesem Aspekt würde ich mich zunächst einmal umschauen, was es für meine Fächer so alles gibt. Der verlinkte LearningSnack kann dabei schon einen kleinen Einblick geben.

Dann muss man natürlich auch sehen, dass man im Klassenraum ggf. schon ein bisschen Eingewöhnung braucht, um mit den jeweiligen Tools und Anwendungen gewinnbringend arbeiten zu können. Es wird sicher ein gewisses Zeitfenster brauchen, vielleicht klappt auch nicht immer alles gleich reibungslos. Letztlich sollte man dies aber nicht überbewerten, da man auch hier seinen Schülern und nicht zuletzt sich selbst Medienkompetenz vermittelt. Es ist also völlig normal, wenn man an dieser Stelle etwas Unterrichtszeit investiert und nicht verwerflich. Man kann dieses Zeitfenster auch mit der Einführung einer neuen Methode vergleichen.

Mythos 2: Die Schüler werden durch das „digitale Lernen“ unkonzentrierter, die Arbeitsergebnisse sind schlechter als früher

Dem kann ich aus meiner Erfahrung nur widersprechen. Wenn die Regeln der Gerätenutzung klar definiert sind, ist es auch eher so, dass dann nichts mehr heimlich geschieht. Das Handy in der Hosentasche wird – dessen kann man sich sicher sein – immer eine mögliche Ablenkungsquelle bieten, ob man nun „digital“ unterrichtet oder nicht. Daher sind in meinem Unterricht die iPads auf dem Tisch und bei Nichtnutzung umgedreht (was allerdings immer seltener der Fall ist). Wenn der Unterricht thematisch und methodisch dicht ist, dann bleibt auch wenig Zeit für Fremdbeschäftigung. Und wenn das erzielte Ergebnis einer Arbeitsphase dann nicht den Anforderungen entspricht, kann dies vielleicht sogar schneller identifiziert werden als beim traditionellen Arbeiten.

Mythos 3: Beim „digitalen Unterrichten“ wird weniger gelesen

Ebenso aus meiner Sicht zu plakativ und so auch nicht korrekt. Es wird sicher anders gelesen, vielleicht auch nicht mehr nur aus „ästhetischen“ Gründen. Für mich bietet das „digitale Unterrichten“ aber einen guten Ansatz meine Schüler erst einmal an das Lesen heranzuführen. Beim Recherchieren und bei der Nutzung des Internets kommt es eher darauf an, nicht alles zu lesen, sondern auch Quellen und Wahrheitsgehalt herauszufinden. Beim „ästhetischen“ Lesen habe ich trotz aller didaktischen Vorbehalte mit Lernvideos oder kleinen standardisierten Übungen gute Erfahrungen gemacht. Erst wenn man z. B. Stilmittel sicher erkennt und deren Wirkungen nachvollziehen kann, ist man doch auch in der Lage die literarische Qualität eines Textes zu beurteilen und dann selber kreativ zu werden.

Mythos 4: Beim Lernen mit „digitalen Medien“ wird weniger miteinander geredet, es kommt vermehrt zu Frontalunterricht

Natürlich ist die Verlockung groß. Der Lehrer präsentiert die Inhalte wie ein Keynote-Speaker auf einer wissenschaftlichen Tagung, die Schüler konsumieren und haben vielleicht sogar, wenn sie sich auf die nächste Stunde gut vorbereiten, im darauffolgenden Test ein besseres Ergebnis als früher erzielt. Das ist an sich nicht verwerflich, darf aber nicht der Regelfall des „digitalen Unterrichtens“ sein, auch wenn meine ersten Schritte so ausgesehen haben mögen. Zu einer „digitalen Mündigkeit“ führt das aber nicht, auch wenn man als Lehrer vielleicht den Eindruck haben könnte, dass eine oben skizzierte Stunde „gut“ gewesen war. Es ist vielmehr dafür zu sorgen, dass man viel themenaktueller, auch projektmäßiger an den Unterricht herangeht und vielleicht seine Stunden zweiteilt. In der ersten Phase (zeitlich auf ca. 20-30 Minuten begrenzt) bringt man die nötigen Fakten und die Sachkompetenz zur Lerngruppe, in einer zweiten Phase wird kompetenzorientiert vertieft. Dies kann auch über das Konzept „Flipped Classroom“ hergestellt werden, indem die Schüler schon mit der nötigen Basisinformation in den Unterricht kommen und dann damit weiterarbeiten. Dies können dann, müssen aber nicht, auch digitale Produkte sein.

Mythos 5: Die Schüler sind beim Arbeiten mit „digitalen Medien“ deutlich motivierter

Am Anfang stimmt das sicher. Dieser Effekt kann aber auch ganz schnell ins Negative überschwappen, wenn …

  • die Beziehungsebene zur Lehrkraft nicht stimmt (dann kann das „digitale Unterrichten“ die Pandorabüchsenöffnung sein!)
  • man immer die gleichen Arbeitsaufträge stellt
  • davon ausgegangen wird, dass die Schüler sich schon selbstständig durchwursteln und man nur „Globalaufträge“ stellt
  • man seinen Unterricht zu 100 % digitalisiert, ohne dass dies sinnvoll ist (ja, auch das merken Schüler und monieren das mit sehr stimmigen Argumenten)

 

Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn dieser Post ein wenig zur Diskussion über das „digitale Unterrichten“ beitragen könnte. Gerne nehme ich auch zu anderen Mythen Stellung und schildere dazu meine, wie gesagt, subjektiven Eindrücke, wenn diese von Interesse sein sollten. Letztlich kann ich aber nur allen Lehrern raten, sich mit diesem Thema zu beschäftigen und getreu dem Motto „ergänzen statt ersetzen“ zu handeln.

 

 

 

 

 

 

Digitale Bildung im Seminar – ab dem nächsten Schuljahr geht´s los!

Digitale Bildung im Seminar – ab dem nächsten Schuljahr geht´s los!

Wir sind startklar! An der Realschule am Europakanal in Erlangen wird es ab dem nächsten Schuljahr für unsere Referendare eine zusätzliche Übung Digitale Bildung im Seminar („DiBiS“) geben, die in jeder Schulwoche (Dauer: 45 Minuten) abgehalten wird. Mein Konzept, das ich in einem früheren Blogbeitrag schon auf #BayernEdu skizziert habe, ist nun unter tatkräftiger Mithilfe meiner Seminarkollegen und dem Team „Digitale Schule 2020“ in einen abwechslungsreichen und aus meiner Sicht durchaus praktikablen Wochenplan gegossen worden.

DiBiS – Wochenplan

Ich würde mich über Ergänzungen und weitere Anregungen freuen. Zudem würde mich interessieren, ob das „Projekt“ hier weiter auf #BayernEdu in regelmäßigen Abständen dokumentiert werden soll. Denn eines ist sicher unstrittig: Die Lehrerausbildung ist sicher auch ein wichtiger Schlüssel dafür, wenn „Digitale Bildung“ gelingen soll.