Autor: woereal

Digitale Bildung im Seminar – ab dem nächsten Schuljahr geht´s los!

Digitale Bildung im Seminar – ab dem nächsten Schuljahr geht´s los!

Wir sind startklar! An der Realschule am Europakanal in Erlangen wird es ab dem nächsten Schuljahr für unsere Referendare eine zusätzliche Übung Digitale Bildung im Seminar („DiBiS“) geben, die in jeder Schulwoche (Dauer: 45 Minuten) abgehalten wird. Mein Konzept, das ich in einem früheren Blogbeitrag schon auf #BayernEdu skizziert habe, ist nun unter tatkräftiger Mithilfe meiner Seminarkollegen und dem Team „Digitale Schule 2020“ in einen abwechslungsreichen und aus meiner Sicht durchaus praktikablen Wochenplan gegossen worden.

DiBiS – Wochenplan

Ich würde mich über Ergänzungen und weitere Anregungen freuen. Zudem würde mich interessieren, ob das „Projekt“ hier weiter auf #BayernEdu in regelmäßigen Abständen dokumentiert werden soll. Denn eines ist sicher unstrittig: Die Lehrerausbildung ist sicher auch ein wichtiger Schlüssel dafür, wenn „Digitale Bildung“ gelingen soll.

 

Der Weg zu den magischen „d = 0,75“ – Adhoc-Feedback-Tools

Der Weg zu den magischen „d = 0,75“ – Adhoc-Feedback-Tools

Geschlecht, Computerunterstützung und Feedback sind die drei meist untersuchten Faktoren aus der vielzitierten Hattie-Studie. Mit dem Wert „d = 0,75″ ist Feedback, das ich im Folgenden als eine auf Daten basierende Rückmeldung zwischen Personen definieren möchte, der deutlich effektstärkste der drei genannten (Ab dem Wert von d = 0,40 spricht man von einem Faktor, der im Unterricht laut Hattie „gut wirkt“). Insofern lohnt sich also ein Blick darauf, da gerade im „digitalen Klassenzimmer“ es einige Möglichkeiten gibt, Feedback adhoc und anonym einzuholen. Wie immer möchte ich aber hier keine theoretische Diskussion über Feedback anstoßen, sondern fünf Tools und dazu passende Unterrichtsideen vorstellen, die alle die Möglichkeit bieten, den „Weg zu den magischen d = 0,75“ zu bestreiten.

Tool 1: TodaysMeet (Link)

Diese Seite habe ich von Joe Dale auf den Tabletdays zum ersten Mal gesehen. Das Webtool erstellt in Windeseile einen Chatraum, in dem Schüler oder auch Kollegen via Nicknames miteinander kommunizieren können. Probieren Sie es doch einmal aus und diskutieren Sie mit uns. Geben Sie unsere Seite doch einfach mal Feedback!

Tool 2: Answergarden (Link)

Mein persönlicher Favorit ist Answergarden. Mit dieser Website kann man ganz schnell kurze Meinungen (bis 40 Zeichen) abfragen, die im Endeffekt auch eine Brainstormingphase zu Unterrichtsbeginn darstellen kann. Ich lade Sie dazu ein, dass Sie das gleich einmal ausprobieren. Als Test habe ich die Frage Was halten Sie von Quizapps? angelegt. Wir sind gespannt auf Ihre Meinungen zu diesem derzeit heiß diskutierten Thema.

Tool 3: SurveyMonkey (Link)

Wenn es ein professioneller Fragebogen sein soll, mit dem Sie Ihr Feedback einholen möchten, dann könnte Sie SurveyMonkey interessieren. In der kostenlosen Version kann man bis zu 10 Fragen erstellen und unter verschiedensten Fragetypen und Darstellungsformen auswählen. Mit der gleichnamigen App kann man dann auch relativ bequem die Ergebnisse einsehen.

Tool 4: FeedbackSchule (Link) und Edkimo (Link)

Explizit schulische, aber auch z. T. kostenpflichtige Angebote, mit denen in Fragebogenform Feedback eingeholt werden kann, bieten die beiden oben genannten Webseiten. Wie ich vor kurzem auf Twitter erfahren habe, ist Edkimo in NRW für Schulen sogar kostenlos, in Bayern wird wohl FeedbackSchule in Zukunft den Ton angeben, was ich im nächsten Schuljahr detailliert testen werde. Diese Entwicklung zeigt auch, dass Feedback mittlerweile als Unterrichtsbaustein einen hohen Stellenwert erlangt hat und in der Start-Up-Szene als Marktidee platziert wird.

Tool 5: Padlet (Link)

Ein Klassiker, den ich auch gerne zur Hausaufgabenbesprechung oder zur Kommunikation im Klassenzimmer nutze, ist Padlet. Besonders gut gefällt mir das Stream-Feature (Scroll-Ansicht), das Sie gerne hier einmal ausprobieren können. Vielleicht kennen Sie ja noch weitere Apps oder Webseiten zum Thema „Feedback“?

https://padlet.com/embed/ksn1xk5sf6h8

Mit Padlet erstellt

“ target=“_blank“ rel=“noopener“>Padlet – Ergänzungen

Konkrete Unterrichtsideen (Die Zahlen in der Klammer stehen für die Nummer der Tools)

  • Einholen von Vorwissen am Beginn einer Unterrichtsstunde / eines neuen Themenblocks (2)
  • Evaluation des eigenen Unterrichts am Ende einer Unterrichtseinheit / einer Unterrichtsstunde (2,3,4)
  • Auswertung einer Projektarbeit mit Fragebogentool (3,4)
  • Schüler-Feedback untereinander z. B. am Ende einer Gruppenarbeitsphase (5)
  • Fiktiver Chat zwischen literarischen/historischen Figuren (1)
  • Online-Debatte mit ausformulierten Argumenten (1)
  • Präsentation von (analogen) Unterrichtsergebnissen (5)
  • Verknüpfung von analogen und digitalen Inhalten (5)
  • Demokratielernen im Klassenzimmer (Abstimmung über Klassensprecher, Wandertagsziel etc.) (2)
  • Hausaufgabenbesprechung mit Live-Feedback untereinander oder seitens der Lehrkraft (5)

Am Ende bleibt festzuhalten, dass es dank der digitalen Tools wohl nie so einfach war Feedback einzuholen. Wenn dies regelmäßig geschieht und die gezeigten Beispiele, die ja auch über das reine Feedback hinausgehen, Ihnen eine Anregung für Ihren Unterricht gegeben haben, so würde auch ich mich über Ihr Feedback sehr freuen😉!

„Geliefert wie angekündigt“ – #BayernEdu bei dem multilateralen Mega-Event Tablet Days in Rorschach (CH)

„Geliefert wie angekündigt“ – #BayernEdu bei dem multilateralen Mega-Event Tablet Days in Rorschach (CH)

Was kann man schon gewinnen, wenn man eine Edtech-Tagung mit dem Slogan „Grenzenlose Bildung“ ankündigt? Die Erwartungen waren dementsprechend sehr hoch, so dass auch die Fallhöhe je näher man der Veranstaltung kam, sich expandermäßig ausdehnte. Alle relevanten Devices und Firmen, Teilnehmer aus ca. 10 Ländern, ein mondäner Veranstaltungsort am Bodensee und eine Tagungslocation, die 2016 als die beste der Schweiz ausgezeichnet wurde – ein Gesamtpaket, das man so nicht oft geboten bekommt, wenn man den Werbebotschaften der Organisatoren Thomas Rittmann (CH), Andreas Hofmann (D) und Marcel Kaufmann (LIE) trauen wollte.

Wir, Christian Wettke, Ferdinand Stipberger, Wolfgang Schlicht und ich taten es, und vertraten #BayernEdu in Rorschach – eine Entscheidung, die wir alle auch im Nachhinein definitiv nicht bereut haben. Schon die Einstiegskeynote von Kurt Söser gab die Richtung vor. “Pädagogik vor Technik”, “Auf die Lehrer kommt es an”, “Das beste aus der analogen und digitalen Welt miteinander vereinen”, “Learn anytime and anywhere” – das alles waren Zitate, die man sonst von digitalaffinen Lehrern eher selten hört, auch wenn sie auch im 21. Jahrhundert nichts von ihrer Wichtigkeit verloren haben. Ein motivierender Einstieg in die ersten beiden Workshop-Phasen, denen noch kurzweilige Best-Practice-Beispiele im Gewand von 3-Minuten-Vorträgen, genannt “OneBestThing”, vorangestellt waren.

Es wäre an dieser Stelle sicher unfair, irgendwelche Referenten hervorzuheben, aber der Sketchnote-Workshop von Stefanie Maurer, die Actionbounds von Eyk Franz oder auch der Workshop von Marcel Kaufmann zum Thema BreakoutEdu waren in besonderem Maße gewinnbringend für unsere Zwecke. Wolfgang Schlicht, der selbst mehrere Slots durchführte, konnte mit der Adobe-Spark-Familie selbst die eingefleischten Appleianer der Villa Wewersbusch zu außeriOSigen Höchstleistungen in der Videoproduktion anregen. Ein Zeichen, dass das o. g. Ziel der “Grenzenlosigkeit” auch von den Teilnehmern voll verinnerlicht wurde.

Das absolute Highlight der beiden Tage stellte dann aber die herausragende Keynote von Mark Anderson dar. Wie ein walisischer Irrwisch fegte er über die Bühne und brillierte mit seinem gut fundierten Vortrag. “Keep it simple, keep it clean, make it count” – auf diesem Dreiklang fußt Andersons Idee von digitalem Medieneinsatz in der Schule, der auch mal Gimmick sein darf, wenn es dem Lernen dient. Top inspirierend und auch für Newbies sehr motivierend!

An beiden Tagen wurde übrigens – auch das war sehr wichtig – viel Raum für Networking eingeräumt. So konnten wir Bayern uns mit Lehrkräften aus CH, A, LIE, LUX und sogar Thailand austauschen. Gut zu wissen, dass es auch anderswo Mitstreiter bei unserem pädagogischen Steckenpferd gibt!

Kurt Klynen eröffnete dann am zweiten Tag mit seiner Keynote damit, dass “jeder Lehrer ein Designer” sei, dessen Rolle in der Gesellschaft neu gewichtet, nämlich aufgewertet, werden müsse. Mit seinem Projekt “The Joy of professional learning” gibt sein Team Lehrern hilfreiche “Rezepte” für die Integration “digitaler Medien” in pädagogische Methoden und Settings an die Hand. Sicher für viele von uns in der Zukunft einen genaueren Blick wert! An dieser Stelle möchte ich auch den Organisatoren dafür danken, dass ich selbst die Gelegenheit bekam, das mBook einem internationalen Publikum kurz vorstellen zu dürfen.

Mit drei weiteren Workshop-Phasen bekam man dann fast schon zu viel Input und neue Anregungen, die man mit nach Hause nehmen konnte. Es bleibt festzuhalten, dass unsererseits die hohen Erwartungen vollends erfüllt wurden. Die Tablet Days sind ein noch junges, aber innovatives Format, das es sich lohnt, weiterzuverfolgen. Nicht zuletzt deshalb, weil es nicht um Markenpräferenzen und App-Paraden ging, sondern der Lehrende und der Lerner im Mittelpunkt standen.

Schließen möchte ich mit einem Zitat aus der Keynote von Kurt Klynen: “We make the difference – not the tool!”

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Be a smart teacher – start your Twitter account now!

Be a smart teacher – start your Twitter account now!

Selten hat ein digitales Gemeinschaftsprojekt so eingeschlagen wie der „Twitterspickzettel“ für Lehrende, den die #Edupnx, #BayernEdu and friends (aka „Twitter Edu“) in den letzten Tagen miteinander erstellt haben. Er soll dazu dienen, dass sich noch viele weitere Kollegen, die bisher skeptisch waren oder nicht genau wussten, wozu Twitter gut sein soll, mit uns vernetzen, um die Digitale Bildung voranzubringen.

Wer mehr über die Entstehungsgeschichte erfahren möchte, der kann unter dem angegebenen Link auf dem Blog der Bildungspunks die ganze Geschichte nachlesen.

Zum Herunterladen und Austeilen im Lehrerzimmer gibt es hier die Sketchnote (weltklasse von Marc Albrecht-Hermanns gezeichnet💪🏻) als pdf-Datei: „Twitterspickzettel“

Habt ihr den Zettel schon verwendet oder ihn erhalten und daraufhin euren Account erstellt? Wir freuen uns auf eure Erfahrungen!

 

 

„Auf die Dynamik kommt es an“ – Ideen zum Digitalen Prüfen in den Fächern Deutsch und Geschichte

„Auf die Dynamik kommt es an“ – Ideen zum Digitalen Prüfen in den Fächern Deutsch und Geschichte

Das „Digitale Prüfen“ ist sicher ein Knackpunkt, wenn sich die Digitale Bildung gerade auch bei skeptischen Kollegen durchsetzen soll. Nicht nur Jürgen Drewes fragte vor nicht allzu langer Zeit danach (https://drewesbloggt.com/2017/05/01/was-kommen-muss-digitale-pruefungsformen/), auch der beliebte Bildungspodcast „Perlen von den Säuen“ (https://youtu.be/cxVMNBr-7_A) diskutierte in einer Folge darüber, wie man zeitgemäß prüfen könnte und was es dazu benötigt. In diesem Artikel möchte ich ausgehend von meinen Fächern Deutsch und Geschichte ein paar Leitlinien aufzeigen, wie man digital gestützten Unterricht in traditionelle Noten oder Bewertungen überführen könnte. Wichtig ist mir dabei zu betonen, dass ich nicht unbedingt der Meinung bin, dass alles als Ziffernnote repräsentiert sein muss. Aber diese Frage scheint mir doch eine allseits beliebte Ausrede dafür zu sein, um derartige Unterrichtsideen nicht durchzuführen, da man ja „Noten machen müsse und für so etwas keine Zeit habe.“

Voraussetzungen

An der bayerischen Realschule bin ich im Fach Geschichte pro Halbjahr verpflichtet, zwei kleine Leistungsnachweise zu erheben (davon eine „echte“ mündliche Note). Im Fach Deutsch ergeben sich zwei große Leistungsnachweise („Schulaufgaben“) und drei kleine Leistungsnachweise (davon eine „echte“ mündliche Note) pro Halbjahr. Sofern am Anfang des Schuljahres von der Fachschaftsleitung beantragt, darf in einigen Klassenstufen auch eine Schulaufgabe durch ein bewertetes Projekt ersetzt werden. Man sieht also: So viel Notendruck herrscht gar nicht!

Organisatorisches

Wenn ich auf digitale Prüfungsformate setzen möchte, ist es aus meiner Sicht unabdingbar, flächendeckend auf das Doppelstundenprinzip zurückzugreifen – gerade auch aus pädagogischen Gründen, wie ich später noch erläutern möchte. Es ist im 21. Jahrhundert nicht mehr zeitgemäß an der preußischen 45-Minuten-Stunde festzuhalten! Digitales Arbeiten und Prüfen verlangt gerade zu Beginn mehr Zeit und einen Arbeitsprozess, der im schlechtesten Fall am Montag in der 2. Stunde beginnt und dann am Freitag in der 6. Stunde wieder aufgegriffen werden soll. Digitale Bildung entsteht durch so manche Schulstruktur schon aus diesem Grund sicher nicht.

Vorhandenes

Ein „Kahoot“ auswerten, einen Multiple-Choice-Test mit „Socrative“ durchführen, einen „Mebis/Moodle“ gestützen Prüfungsteil bearbeiten – das alles gibt es schon. Dabei sollte es aber nicht bleiben, auch wenn nach einmal durchgeführter Erstellung für den Lehrer eine Zeitersparnis für weitere Durchgänge winkt. Digitale Bildung ist das nämlich nur am Rande – eigentlich eher digitales Bulimie-Klicken und ein gefundenes Fressen für Spitzerianer. Die oben genannten Beispiele sind maximal dazu da, um zu wiederholen, zu motivieren oder das Vorwissen der Schüler zu eruieren. Ein adäquates digitales Prüfungsformat stellen sie nicht uneingeschränkt dar.

Pädagogische Aspekte

Der Artikel beginnt mit dem Halbsatz „Auf die Dynamik kommt es an“. Was meine ich damit? Ich bin der Meinung, dass gerade das „Digitale Prüfen“ dazu beitragen kann, dass Schüler eine „dynamische Lernhaltung“ aufbauen können. Das heißt, dass wir als Lehrer dazu kommen sollten, auch in Prüfungssituationen folgende Grundsätze zu beachten:

– Der individuelle Lösungsweg sollte bewertet werden und nicht eine vorgegebene Musterlösung
– Der Prozess des Bearbeitens der Prüfungsaufgabe sollte mit in die Bewertung einfließen („Zwischennote“/“Zwischenpunkte“)
– Die Aufgabe sollte so (lebens-)relevant gestellt werden, dass zumindest die Möglichkeit besteht, dass die Schüler in eine Art „Flow-Erlebnis“ kommen können
– Ein wie auch immer genanntes Produkt sollte als Endergebnis vorhanden sein

Man sieht, dass die o. g. vorhandenen Beispiele hierunter nicht subsummiert werden können.

Echte Differenzierung und Miteinbeziehung

Wenn man an die vielen unterschiedlichen Möglichkeiten denkt, die digitales Unterrichten ermöglicht, so kann aus meiner Sicht auch viel leichter eine echte Differenzierung bei der Aufgabenstellung erfolgen. Ziel ist das Produkt: Der Weg dorthin kann natürlich auch, wenn sinnvoller, mit analogen Elementen erfolgen. Es ist zudem wünschenswert, vorab mit den Schülern einen Bewertungskatalog festzulegen. Dies erleichtert auch die Arbeit der Lehrkraft, die noch etwas unsicher bzgl. des digitalen Unterrichtens ist. Soll z. B. ein Video-Tutorial erstellt werden, so ist sicher die Tonqualität, der Bild-/Sprechanteil, die Beachtung der Urheberrechte oder die Länge des Produktes prüfungsrelevant. In jedem Fall würde ich ein Punktesystem vorschlagen, das immer individuell entsteht und mit der Klasse diskutiert wird. Später dient dieses dann als Prüfungsprotokoll und sollte auch den Schülern vorgelegt werden.

Konkrete Ideen

Für meine beiden Fächer würde ich nun eine sicher zu ergänzende Liste von „Digitalen Prüfungsformaten“ vorlegen, die es in jedem Falle verdienen, zumindest einen kleinen Leistungsnachweis oder eine dieser unsäglichen Abfragen zu Beginn der Stunde zu ersetzen. Bedenken wir: Wo in freier Wildbahn müssen wir Erwachsenen adhoc Rechenschaft ablegen ohne nachschlagen zu können? Ist die Abfrage nicht ein Disziplinierungs-Relikt aus der preußischen 45-Minuten-Takt-Zeit😉?

Digitale Prüfungsformate (teilweise auch Upgrades von traditionellen Prüfungsformaten)

– Erstellung eines digital gestützen Quiz über Epochen, Grundwissensbegriffe, Gattungen (LearningApps, LearningSnacks, Mebis) incl. Veröffentlichung
– Eine digitale, kommentierte Zeitleiste erstellen
– Tonaufnahme eines Dialoges als Variante des szenischen Lesens (App „Opinon“ – Unterrichtsbeispiel: Zwei Indianer diskutieren, ob sie den weißen Siedlern helfen sollen – Grundlage: Quellenmaterial, Rechercheauftrag oder Vorwissen – Erweiterung als Podcast möglich)
– Konzeption eines eigenen digitalen Schulbuchkapitels (App „Book Creator“) mit verschiedenen Medienformaten und Vergleich mit analogen Schulbüchern
– Materialgestützte Erörterung live – (Schüler erhalten vor dem Schreiben des Aufsatzes ein Zeitfenster, um Material im Internet zu recherchieren und sich daraus handschriftlich Notizen zu machen)
– Standbilder zu Schlüsselszenen eines Textes bauen und mit Sprechblasen versehen, ggf. Comic-Strip gestalten
– Mindmap-Programme zum Gliedern oder Storytelling nutzen (Kriegsverläufe, Personenkonstellationen, etc.)
– Eigene H5P-Inhalte erstellen, z. B. anhand von vorhandenen Erklärvideos Fragen und Aktionen einbauen
– Einen „Actionbound“ zur Stadtgeschichte erstellen und mit Parallelklassen durchführen lassen
– Eigene Videotutorials erstellen, z. B. zur schriftlichen Bewerbung
– Verschiede Präsentationstools (Keynote, PowerPoint, Prezi …) kennenlernen, anhand eines konkreten Arbeitsauftrages durchführen und bewerten
– Ein Rollenspiel, z. B. zu einem historischen Sachverhalt, durchführen und filmen
– Ein Tafelbild zu einer Stunde / einem Dokumentarfilm erstellen, z. B. auch als Sketchnote

Ich würde mich freuen, wenn ich einige weitere Beispiele aus der Community erhalten würde, die ich in diese Liste aufnehmen kann. Aus meiner Erfahrung zeigt sich, dass es nur ganz selten dazu kommt, dass ganz schlechte Produkte entstehen. Auch ist es bei geübteren Klassen nicht mehr notwendig, „App-Vorgaben“ zu machen, da die Schüler oft selbst am besten wissen, womit sie am besten klarkommen. In diesem Fall fängt sie nun dann ja wohl wirklich an – eine dynamische „Digitale Bildung“ und das sogar im Rahmen einer vormals „ungeliebten“ Prüfungssituation.

Digitale Bildung im Seminar – Im Widerstreit mit OHP-Folien und „Schwammvorrichtungen“

Digitale Bildung im Seminar – Im Widerstreit mit OHP-Folien und „Schwammvorrichtungen“

Kein Witz – zu Beginn meiner Referendariatszeit waren DVDs und TV/Beamer-Kombinationen der letzte Schrei, wenn es um Medien im Geschichtsunterricht ging. Die OHP-Folien waren selten farbig und wenn man versuchte, sie zu archivieren, war im nächsten Jahr meistens mehr Farbe in der Plastikhülle als auf dem Unterrichtsmedium selbst. Napoleon und Co. waren dann ungefähr genauso schlecht identifizierbar als mancher gesuchter Gangster bei Aktenzeichen XY. Kurzum – ich würde diese Unterrichtsmaterialien als Seminarlehrer nicht mehr wirklich herzeigen wollen und habe diese mittlerweile auch großzügig entsorgt.

Von einer digitalen oder zeitgemäßen Bildung war da übrigens noch nicht mal die Rede. Es ist sogar noch nicht allzu lange her, da wurde meinen Referendaren eindringlich vermittelt, man solle doch neben der (Kreide)-Tafel eine „Schwammvorrichtung“ installieren, um etwaige Fehler schnell wegwischen zu können, und zwar bevor diese von der jeweiligen Seminarlehrkraft entdeckt werden.

Wer mich ein bisschen kennt, wird sich sicher denken können, was ich meinen Referendaren darauf entgegnete. Gewinnbringende Fehlerkultur incl. souveräner Umgang damit und sinnvoller Tafeleinsatz sehen im 21. Jahrhundert sicher anders aus.

Basierend auf einer Idee von Micha Busch (Schulinternes Lehrerfortbildungskonzept) habe ich vor einiger Zeit auf Twitter mein Modell („DiBiS“) für einen vielleicht fruchtbaren Umgang mit der „Digitalen Bildung“ für Referendare gepostet. Dieses möchte ich im Rahmen der Blogparade der #EduPnx noch einmal kurz kommentieren und zur Diskussion stellen. Es geht hierbei um alle Fachrichtungen, also nicht explizit um Geschichte. Insofern freue ich mich auf einen regen Austausch und Kommentare.

(„DiBiS“ – kurz kommentiert):

Im Modul 1 sind alle Seminarlehrkräfte angesprochen, letztlich wären hier auch die Experten in Psychologie und Pädagogik gefragt. Diese beiden Fächer werden bei uns an der Realschule als eigenes Fach in jeder Woche mit 90 Minuten gelehrt.

Beim Modul 2 sehe ich auch die Systembetreuer (ja, erneut, lieber Kollege Stipberger) mit in die Seminararbeit integriert. Vermutlich ist es aber gut investierte Zeit. Wenn die Referendare gut mit der Technik umgehen können, setzen sie diese auch ein und achten sicher nicht weniger auf die Geräte als „normale“ Lehrkräfte, wie die Erfahrung zeigt.

Der Seminarleiter ist beim Modul 3 der entscheidende Faktor. Ihm obliegt es, neben den schulrechtlichen Basics auch die rechtlichen Leitlinien für das „digitale Arbeiten“ zu eruieren. So wird Schulrecht auch gleich etwas praxisbezogener.

Die Hauptlast bei den Modulen 4 / 5 liegt dann sicher bei den jeweiligen Seminarlehrkräften in den einzelnen Fächern. Hier sollte man mit gutem Beispiel vorangehen und immer wieder Elemente des „digitalen Unterrichtens“ ausprobieren. Dies kann auch im Rahmen des wöchentlichen Lehrbeispiels erfolgen. Wenn man uneitel an die Sache herangeht, kann man sicher auch seinen Referendaren die Angst vorm Perfektionismus nehmen. Ich selbst hatte schon öfter bahnbrechende Einfälle, die sich dann als gut maskierte Flops erwiesen, …

… welche man dann gemeinsam im Modul 6 reflektieren und analysieren kann. Auch hier bieten sich wieder Anknüpfungen zur Lernpsychologie und Pädagogik an.

 

 

Tolle Atmosphäre beim 1. #EduMuc-Bildungsstammtisch

Tolle Atmosphäre beim 1. #EduMuc-Bildungsstammtisch

Jetzt nimmt die Digitale Bildung in Bayern richtig Fahrt auf! Beim gestrigen #EduMuc-Kickoff trafen sich über 30 Bildungsinteressierte trotz Osterferien im Isar Valley bei Google in München, um sich in zwangloser Runde über die neuesten Trends zum Thema auszutauschen.

„Der #EduMuc-Bildungsstammtisch soll in Zukunft eine Brücke zwischen interessanten IT-Startups und der Bildungslandschaft darstellen“, so Organisator Aufmhoff in seiner Eröffnungsrede. Ein Format, was auch Dr. Wieland Holfelder, der Gastgeber des Abends, so verstanden wissen wollte. Aus meiner Sicht eine gute Symbiose – denn wann kommen denn schon einmal Lehrer und IT-Experten an einen Tisch zusammen, um gemeinsam Ideen zu entwickeln?
Es war mir demnach auch eine besondere Ehre als Vertreter von #BayernEdu eine Keynote zum Thema „Geisteswissenschaften 4.0 – Deutsch und Geschichte digital unterrichten“ halten zu dürfen. Obwohl nur wenige Lehrer zugegen waren, zeigte sich rasch, dass unser Konzept von digitalem Unterrichten, wie wir es bei #BayernEdu verstehen, auch bei einem technik-affinen Publikum gut ankam. In zahlreichen Gesprächen nach meinem Vortrag, bei dem ich auch Gelegenheit hatte, meine beiden Projekte Ivi-Education und das mBook vorzustellen, konnte ich demnach auch wichtige Kontakte für unser neues Netzwerk knüpfen.
Nicht minder spannend erwies sich dann der zweite Vortrag, der von Simon Köhl gehalten wurde und unter dem Thema „Serlo – Wikipedia für’s Lernen“ stand. Die als gemeinnütziger Verein fungierende OER-Plattform bietet eine Vielzahl von frei zugänglichen Unterrichtsmaterialien, z. B. für das Fach Mathematik. Mit 5,3 Mio Aufrufen im letzten Jahr ist „Serlo“ eine Bildungsplattform, von der man in Zukunft wohl noch viel hören wird – ein Blick darauf lohnt sich bestimmt!
Es bleibt zu hoffen, dass sich der „EduMuc“-Bildungsstammtisch als ständige Einrichtung etablieren wird. Wenn man auf das Programm für das nächste Mal schaut, sollte dies auch gelingen. Am 11.05. werden André J. Spang (Mit-Gründer des #edchatde) und Christine Debold (Pädagogisches Institut München) als Speaker zugegen sein.

(Foto: Dr. Wieland Holfelder)