Die gelassenste Rezension aller Zeiten: Bob Blume „Abc der gelassenen Referendare“

Die gelassenste Rezension aller Zeiten: Bob Blume „Abc der gelassenen Referendare“

„Ein humorvoller Ratgeber für eine leidende Spezies“ – unter diesem Untertitel liegt seit Kurzem im AOL-Verlag der Erstling „Abc der gelassenen Referendare“ des im absolut positiven Sinne online-omnipräsenten Bob Blume vor. Für meine Rezension beschloß ich daher Blumes Vorschlag wörtlich zu nehmen und eine gelassene Rezension an einem meiner Lieblingsorte zu verfassen. Möge das Experiment beginnen…

Blume, ein bloggender Lehrer, der sympathisch-witzig auf Twitter das (pädagogische) Weltgeschehen kommentiert, behandelt in seinem 119 Seiten starken Werk, eines seiner Lieblingsthemen – das Referendariat mit all seinen Facetten. Wie in seinem immer hörenswerten Podcast „Der Referendarsflüsterer“ legt er dabei aber weniger Wert auf Horrorgeschichten oder auf übertriebene Panikmache. Vielmehr zeigt er in klarer, verständlicher Sprache auf, welche Strategien es benötigt, um die Ausbildung zum Lehrer „gelassen“ zu bewältigen. Unter den jeweiligen Anfangsbuchstaben, die teilweise auch doppelt besetzt werden, kann man Wissenswertes über „Computereinsatz“, „Schulleitung“, „Lehrproben“ oder „Zusammenarbeit“ erfahren. So weit, so gewöhnlich. Den „Mehrwert“ macht aber die Diktion der „Lexikoneinträge“ aus. So sind alle Kapitel, die bei Bedarf auch gut einzeln zu lesen sind, immer von einer konstruktiven Wertschätzung geprägt, die auch bei schwierigeren Themen wie „Durchfallen“ Perspektiven aufzeigt. Hier schreibt jemand, der seinen Beruf liebt und möchte, dass auch andere davon angesteckt werden. Genau dies geht üblichen Einführungsbüchern nämlich zuweilen ab, da diese doch immer wieder ins Fach(didaktische) abdriften und es letztlich entweder um Formalia oder „nur“ um guten Unterricht geht.
Blume zeigt in seinem Werk aber sehr treffend auf, dass zum Lehrerberuf auch, nennen wir sie „soft skills“, dazugehören. Erst wenn z. B. „Jeder mitgenommen wird“ und man als Referendar sein Wirken einer „Reflexion“ unterzieht, wird das Ganze nicht zur „Qual“ und es entsteht die nötige Qualität, um auch den „Fachleiter“ überzeugen zu können. Auch neu ist der Fokus auf Themen wie „Ordnungssysteme“, „Planung“ oder „Verwaltungsarbeit“, die oftmals sicher auch der Grund sind, warum man sich als Referendar nicht allzu „gelassen“ zurücklehnt, sondern „Gruppendruck“ und den „Besuch“ fürchtet. Alles gehört irgendwie zusammen und genau das erfährt man in diesem Buch, das mit witzigen Illustrationen (Zeichner: Stefan Quandt) aufgelockert wird.

Ich würde dieses Buch auf jeden Fall z. B. Studienseminaren als ein passendes Einstiegsgeschenk empfehlen, die ihren Referendaren einerseits die „Wahrheit“, aber andererseits auch die „Einzigartigkeit“ dieses Berufes näherbringen wollen. Auch wenn Blume zuweilen subjektiv argumentiert, kann ich doch fast alle Aussagen aus meiner Erfahrung heraus unterschreiben. Es wäre sicher spannend die Reihe noch fortzuführen, denn es gibt noch genügend „Buzzwords“ aus der Lehrerausbildung, die endlich einer kritisch-humorvollen Analyse unterzogen gehören.

In eigener Sache: Ich hoffe, dass mein Experiment einigermaßen geglückt ist. Mein Kaffee ist nun ausgetrunken und ich mache mich nun wieder an die Arbeit. Denn ein Lehrer ist zwar nie wirklich „fertig“, hat aber dafür auch stets viel Freude an seinem Beruf, wenn er die nötige Gelassenheit an den Tag legt.

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