Digitalisierung – Wo bleibt der Mensch!?!

Wir alle sprechen vom Einsatz digitaler Medien im Unterricht. Lernen und Lehren soll immer mehr digital werden. Diskutiert wird über den Einsatz von Tablets, Leasing-Modelle, BYOD, usw. Ich ertappe mich immer wieder zu diesem Thema die gleichen Fragen zu stellen.

  1. Wer – bitte schön – soll die Wartung und die Pflege der Geräte übernehmen?
  2. Können wir den Kindern und Eltern die Pflege der Geräte, die sie im Unterricht verwenden,  überlassen – auch wenn sie deren Eigentum sind? SInd wir hier nicht auch irgendwie in der Pflicht?
  3. Welche Kompetenzen brauchen wir als Lehrer in diesem Fall?
  4. Kann eine Person (wie immer der Systembetreuer) das überhaupt schaffen?

Welche Lawine schiebt sich denn da auf uns zu? Gedankenspiele, die nicht soweit weg sind.

Hintergrundinfos + Rechenbeispiel:

Eine Schule mit um die 600 Schüler besitzt im Regelfall drei Computerräume, die mit etwa 20 PCs ausgestattet sind. Ich rechne nun mit etwa 25 Klassenzimmern, in denen ebenfalls einen PC steht. Nehmen wir die mobilen Einheiten mit dazu kommt man ganzschnell auf eine Zahl zwischen 90 und 100 Rechner, die ein Systembetreuer mit seinen – in diesem Fall – drei Anrechnungsstunden zu verwalten hat. Bei mehr als 121 Computern darf er sich dann mit vier Anrechnungsstunden begnügen!

Bei einer derartigen Anzahl von Rechner stellen viele mittelständische Unternehmen einen festen Systemadmin ein, der NUR für die Betreuung der Rechner zuständig ist und nicht – wie in der Schule – noch vordergründig unterrichten sollte.

Ich muss jetzt auch mal eine Lanze für die Systembetreuer an den Schulen brechen. Welche Wahnsinnsarbeit sie als „Laien“ (bitte hier nicht falsch verstehen – die meisten Systembetreuer sind eben keine Profis, sondern Lehrer, die einfach Spaß am Arbeiten mit den Computer haben und sehr viel Idealismus einbringen) leisten ist bemerkenswert. Sie opfern teilweise ihre Nachmittage, wohlverdienten Ferien, um Computersäle einzurichten, Systemupdates aufzuspielen, uvm.
Ich sage hier VIELEN DANK für eure tolle Arbeit!

Bei vielen Sachaufwandsträgern ist es mittlerweile auch üblich, dass die Betreuung der Schulen durch das hauseigenen IT-Personal durchgeführt wird. Die Auslagerung ist sicherlich ein Weg in die richtige Richtung, aber eine Hand voll Systemadmins betreuen dann meist eine Vielzahl an Schulen in einem Landkreis. Auch das kann so nicht sinnvoll sein!

Eltern sind oft von der digitalen Welt ihrer Kinder überfordert. Ihnen die Wartung der der Geräte zuzumuten scheint mir wenig zielführend. WIr müssen unseren Schülerinnen und Schülern zeigen können, was sie bei bestimmten Problemen tun können – zumindest müssen wir Lehrer wissen an wen sie sich mit ihrem Problem wenden können. Die Ausbildung von Medienscouts – Schüler helfen Schülern bei allen Fragen der digitalen Welt – wäre hier ein guter Anfang.

Für Lehrer sollte es heut normal sein, sich in der digitalen Welt immer auf dem Laufenden zu halten. Dass nicht jeder gleiches Interesse daran hat, ist mir klar. Dennoch sehe ich es als unsere Pflicht als Lehrer an, auch im Bereich der Digitalisierung, des digitalen Lernen und Lehrens Vorbilder für unsere Schüler zu sein. Wenn wir Digitalisierung an unseren Schulen umsetzen sollen, sind wir die ersten Ansprechpartner unserer Schüler.

Fazit: 

Möglich wäre ein festes Budget, um die komplette Betreuung der digitalen Infrastruktur auslagern zu können, für jede Schule individuell natürlich. Wir sind keine ausgebildeten IT-Systemadmins, sondern eben „nur“ Lehrer, die mit Sonderaufgaben betreut sind. Klar ist aber:  Es muss an jeder Schule einen Ansprechpartner geben, der schnell verfügbar ist, wenn es brennt. Aber die Systembetreuer dürfen nicht ausgenutzt werden!

Meine Idealvorstellung wäre ein fester Systemadmin an der Schule (meinetwegen erst ab einer bestimmten Größe und Computerzahl). Dieser hätte sicherlich mit der Betreuung der Infrastruktur und Systempflege gut zu tun, vor Allem wenn nun im Zuge der Digitalisierung immer mehr Tablets,… den Weg in den Unterricht finden! Die freie Wirtschaft macht es uns vor.

 

7 Gedanken zu „Digitalisierung – Wo bleibt der Mensch!?!

  1. Hi, die Überschrift müsste ja fast lauten „Wo bleibt der Systembetreuer?“ Aber ich kann mir den Ausruf auch bildlich gut vorstellen, wenn mal wieder nix läuft: „Wo bleibt der Mensch nur?!“

    Okay, mal Scherz beiseite, wie ich schon auf Twitter kurz geschrieben habe, fehlt es meiner Meinung nach am politischen Willen das zu beheben. Ich habe zum Konzept ja schon mal einen Blogbeitrag geschrieben: https://pisaversteher.com/2016/10/10/blogparade-was-tun-mit-den-digi-milliarden-fuerschulen/

    Ich bin mit dem ganzen Artikel ziemlich d’accord! Also danke dafür 🙂

    Es gibt übrigens schon einige Beispiele aus der Praxis wo es funktioniert, ohne dass Lehrer oder Eltern mit Wartung belastet werden. Natürlich haben die großen „digitalen Schulen“ auch immer einen System Admin – aber die echt guten haben – wie im Artikel angeregt – auch zusätzliche Unterstützung seitens der Schüler. Da gibt es Schülerfirmen, Schüler die sehr gerne sich einbringen oder Medienscouts. Hier ein Link zu den digitalen Helden https://www.digitale-helden.de/ – auch ein geniales Projekt!

    Und natürlich werden die MDM (Mobile Device Management) Lösungen immer besser, um zumindest die Software Probleme mittels Fernwartung lösen zu können. Das löst zwar nicht den Hardware Support, aber der ist einfacher zu bewerkstelligen.

    Aber man muss halt „politisch“ wollen – und meiner Meinung wird das nur über mehr Kooperation mit der Privatwirtschaft = auslagern des Supports gehen. Im Englischen: Public Private Partnership.

    Denn selbst wenn man politisch will: Es wird nicht möglich sein als öffentlicher Träger genügend IT Administratoren einzustellen. Dafür zahlt die öffentliche Hand nicht genug im Vergleich mit der Wirtschaft. Ich kenne dieses Problem bereits von großen Städten. Die Schulträger finden, auch wenn das Geld da ist, einfach nicht genügend Personal.

    Ja und dann sind da noch die Eltern, die sich „umstellen“ müssen. Umstellen in dem Sinne, dass sie eben das Tablet/Notebook etc nicht mehr privat im Internet oder im Media Markt & Co für BYOD kaufen, sondern via Sammelbestellung über die Schule inklusive Nutzungs-, Finanzierungs-, Servicevereinbarung. Dann bekommt man eine homogene Ausstattung hin und auch der Support wird einfacher. Die ersten Städte (z.B. Hannover) hatten übrigens schon öffentliche Ausschreibungen für elternfinanzierte Geräte!

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